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    Maßnahmenplan in der Pflege schreiben: Anleitung mit Beispielen

    Fachredaktion Pflegeplan KI · Veröffentlicht am 06.07.2026

    Einen Maßnahmenplan schreiben Sie, indem Sie für jeden Handlungsbedarf aus der SIS und der Risikoeinschätzung (Matrix) eine konkrete Maßnahme ableiten und nach den fünf W-Fragen formulieren: Wer macht was, wann, wie oft – und warum? Gute Maßnahmen sind individuell, überprüfbar und für jede Kollegin sofort umsetzbar; Floskeln wie „Sturzprophylaxe durchführen“ reichen nicht.

    Dieser Beitrag richtet sich an Pflegefachkräfte in der ambulanten und stationären Pflege. Die Grundlagen davor – Informationssammlung und Risikoeinschätzung – finden Sie in den Beiträgen zum Ausfüllen der SIS und zur Risikomatrix; hier geht es um den zweiten Schritt des Pflegeprozesses: die Maßnahmenplanung.

    Was ist der Maßnahmenplan im Strukturmodell?

    Der Maßnahmenplan ist im Strukturmodell die Umsetzungsebene der Pflegeplanung: Er beschreibt individuell und handlungsleitend, welche pflegerischen Maßnahmen und Betreuungsleistungen eine Person erhält. Er ersetzt die klassische, mehrspaltige Pflegeplanung – Probleme und Ressourcen stehen bereits in der SIS und müssen nicht erneut aufgeführt werden. In der stationären Pflege wird der Plan häufig entlang der Tagesstruktur gegliedert, in der ambulanten Pflege orientiert er sich an den vereinbarten Leistungen und Einsätzen.

    Wichtig ist die Reihenfolge im Pflegeprozess: Die in der Matrix erkannten Handlungsbedarfe werden erst im Maßnahmenplan konkretisiert – dort wird auch entschieden, wie eine als notwendig markierte weitere Einschätzung erfolgt, etwa über ein gezieltes Assessment oder eine befristete Beobachtung.

    Der rote Faden: von der SIS über die Matrix zur Maßnahme

    Jede Maßnahme braucht eine erkennbare Herkunft: eine Information aus den Themenfeldern, ein in der Matrix bejahtes Risiko oder ein Wunsch der pflegebedürftigen Person. Umgekehrt muss jedes erkannte Risiko in mindestens einer konkreten Maßnahme münden – sonst reißt der rote Faden, den auch der Medizinische Dienst in der Qualitätsprüfung verfolgt.

    Die fünf W-Fragen: So wird eine Maßnahme konkret

    Schaubild: Aus der vagen Formulierung „Auf Sturzgefahr achten“ wird eine konkrete Pflegemaßnahme, zerlegt nach den fünf W-Fragen – Wer (Pflegekraft im Nachtdienst), Was (Begleitung anbieten, Nachtlicht aktiv), Wann (nachts beim Toilettengang), Wie oft (bei jedem Gang), Warum (erhöhte Sturzgefahr nach Sturz)
    Von der Floskel zur prüffesten Maßnahme: die fünf W-Fragen am Beispiel Sturzgefahr.
    • Wer? – Wer führt die Maßnahme durch: Pflegefachkraft, Pflegehilfskraft, Betreuungskraft – oder die Person selbst mit Anleitung?
    • Was? – Die konkrete Handlung inklusive Hilfsmittel: nicht „Mobilisation“, sondern „Gehtraining mit Rollator im Flur“.
    • Wann? – Tageszeit oder Anlass: morgens nach dem Frühstück, nachts beim Toilettengang, bei Unruhe.
    • Wie oft? – Die Häufigkeit: täglich, zweimal wöchentlich, bei jedem Einsatz.
    • Warum? – Der Bezug zur SIS: das Risiko aus der Matrix oder die Ressource, an die die Maßnahme anknüpft.

    Beispiel-Formulierungen: schwach vs. stark

    • Statt „Sturzprophylaxe durchführen“: „Pflegekraft im Nachtdienst bietet Herrn M. bei jedem nächtlichen Toilettengang Begleitung an; Nachtlicht bleibt aktiv (erhöhte Sturzgefahr, Sturz vor vier Wochen).“
    • Statt „auf ausreichende Flüssigkeit achten“: „Betreuungskraft stellt vormittags und nachmittags je ein volles Glas in Sichtweite und erinnert ans Trinken; Trinkmenge im Protokoll erfassen (trinkt zu wenig, siehe Matrix Ernährung).“
    • Statt „Unterstützung bei der Körperpflege“: „Frau S. wäscht Gesicht und Hände selbst (Ressource erhalten); Pflegekraft übernimmt Rücken und Beine, dienstags Anleitung beim Duschen.“

    Ressourcen einplanen statt nur Defizite

    Ein guter Maßnahmenplan schreibt fest, was die Person selbst übernimmt – das erhält Selbstständigkeit und entlastet das Team. Bewältigt die Person ein Phänomen vollständig selbst (Eigenkompensation), ist trotz eines „ja“ in der Matrix keine Maßnahme erforderlich; gegebenenfalls wird eine zeitlich befristete Beobachtung angesetzt und das Vorgehen kurz begründet.

    Evaluation: den Maßnahmenplan aktuell halten

    Die Evaluation erfolgt im Strukturmodell anlassbezogen statt nach starren Fristen: bei Zustandsänderungen, nach besonderen Ereignissen wie einem Sturz oder wenn Maßnahmen nicht wirken. Abweichungen vom Plan werden im Berichteblatt dokumentiert – dauerhafte Änderungen führen zur Anpassung des Maßnahmenplans. Interne Regelungen der Einrichtung zu Evaluationsintervallen bleiben davon unberührt.

    Typische Fehler im Maßnahmenplan

    • Textbausteine und Floskeln ohne Individualisierung – „aktivierende Pflege“ sagt nichts über diese Person.
    • Maßnahmen ohne Herkunft: kein erkennbarer Bezug zu SIS, Matrix oder Wünschen der Person – der rote Faden reißt.
    • Pauschale Prophylaxen für alle statt begründeter Maßnahmen aus der individuellen Risikoeinschätzung.
    • Widerspruch zwischen Plan und Durchführungsnachweis – geplante Maßnahmen, die nie abgezeichnet werden.
    • Veralteter Plan: Zustandsänderung oder Sturz ohne anschließende Anpassung.
    • Medizinisch statt pflegerisch formuliert – ärztliche Anordnungen gehören in die Behandlungspflege-Dokumentation, nicht als Pseudo-Diagnosen in den Maßnahmenplan.

    Wie Pflegeplan KI beim Maßnahmenplan unterstützt

    Pflegeplan KI leitet aus den Themenfeldern und der Risikoeinschätzung Maßnahmenvorschläge ab, die den fünf W-Fragen folgen und den roten Faden zur SIS sichtbar halten. Jeder Vorschlag bleibt prüfbar und wird erst nach fachlicher Freigabe übernommen (Human-in-the-Loop) – die Entscheidung, welche Maßnahme zu dieser Person passt, bleibt vollständig bei der Pflegefachkraft.

    Häufige Fragen

    Was gehört alles in einen Maßnahmenplan?
    Alle regelmäßig wiederkehrenden pflegerischen Maßnahmen und Betreuungsleistungen, abgeleitet aus SIS und Risikoeinschätzung: Grundpflege, Prophylaxen mit Begründung, Betreuungsangebote und die Anteile, die die Person selbst übernimmt. Jede Maßnahme beantwortet Wer, Was, Wann, Wie oft und Warum – stationär häufig entlang der Tagesstruktur gegliedert.
    Ersetzt der Maßnahmenplan die klassische Pflegeplanung?
    Ja, im Strukturmodell übernimmt der Maßnahmenplan die Rolle der klassischen Pflegeplanung. Probleme und Ressourcen werden nicht erneut in Spalten aufgeführt – sie stehen in der SIS, der Maßnahmenplan konzentriert sich auf das konkrete Handeln.
    Müssen im Maßnahmenplan Pflegeziele formuliert werden?
    Das Strukturmodell verzichtet bewusst auf verpflichtende Zielformulierungen zu jeder Maßnahme – die pflegerische Absicht ergibt sich aus der SIS und der Begründung der Maßnahme. Einrichtungen können intern Ziele ergänzen, eine Pflicht dazu besteht im Strukturmodell nicht.
    Wie oft muss der Maßnahmenplan evaluiert werden?
    Anlassbezogen: bei Zustandsänderungen, nach Ereignissen wie einem Sturz oder wenn Maßnahmen nicht die erwartete Wirkung zeigen. Eine starre bundesweite Frist gibt das Strukturmodell nicht vor; einrichtungsinterne Vorgaben und die Erwartungen der Qualitätsprüfung sind zusätzlich zu beachten.
    Wer darf den Maßnahmenplan erstellen und ändern?
    Die Steuerung des Pflegeprozesses – und damit Erstellung und Anpassung des Maßnahmenplans – ist Aufgabe einer examinierten Pflegefachkraft (vorbehaltene Tätigkeit). Zuarbeit aus dem Team ist möglich, die fachliche Entscheidung und Freigabe bleiben bei der Fachkraft.