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    Risikomatrix in der SIS richtig ausfüllen: Anleitung mit Beispielen

    Fachredaktion Pflegeplan KI · Veröffentlicht am 03.07.2026

    Die Risikomatrix der SIS füllen Sie richtig aus, indem Sie für jedes pflegesensitive Risiko – Dekubitus, Sturz, Schmerz, Inkontinenz und Ernährung – fachlich einschätzen, ob ein Risiko vorliegt und ob eine vertiefte Einschätzung notwendig ist. Entscheidend sind die Begründung aus den sechs Themenfeldern und die Konsequenz: Jedes erkannte Risiko braucht eine nachvollziehbare Maßnahme im Maßnahmenplan.

    Diese Anleitung richtet sich an Pflegefachkräfte in der ambulanten und stationären Pflege. Die Grundlagen der Informationssammlung finden Sie im Beitrag zu den sechs Themenfeldern der SIS, das Ausfüllen der gesamten SIS in der Schritt-für-Schritt-Anleitung.

    Was ist die Risikomatrix der SIS?

    Die Risikomatrix (auch Matrix zur Risikoeinschätzung) ist die initiale fachliche Ersteinschätzung pflegesensitiver Risiken im Strukturmodell. Sie ersetzt das routinemäßige Abarbeiten von Skalen und Assessments: Zuerst schätzt die Pflegefachkraft auf Basis der sechs Themenfelder fachlich ein – nur wenn diese Einschätzung es erfordert, folgt ein vertieftes Assessment. Genau diese begründete fachliche Einschätzung macht die Matrix zum Kern einer schlanken und zugleich prüfsicheren Dokumentation.

    Diese Risiken schätzt die Matrix ein

    • Dekubitus – etwa bei eingeschränkter Mobilität, langem Sitzen oder Liegen.
    • Sturz – etwa bei Gangunsicherheit, nächtlichen Toilettengängen oder Stürzen in der Vorgeschichte.
    • Schmerz – akute oder chronische Schmerzen, auch nonverbale Schmerzzeichen.
    • Inkontinenz – Harn- und/oder Stuhlinkontinenz, auch beginnende Symptomatik.
    • Ernährung – Mangelernährung und unzureichende Flüssigkeitsaufnahme.
    • Weitere Phänomene – je nach Situation z. B. Exsikkose, Kontrakturen oder herausforderndes Verhalten.

    Schritt für Schritt: So füllen Sie die Risikomatrix aus

    1. Themenfelder als Grundlage nehmen: Tragen Sie die Hinweise auf Risiken aus den sechs Themenfeldern zusammen – die Matrix wird aus der SIS heraus begründet, nicht isoliert ausgefüllt.
    2. Je Risiko fachlich entscheiden: Liegt ein Risiko vor – ja oder nein? Die Einschätzung muss sich aus den dokumentierten Informationen nachvollziehbar ergeben.
    3. Vertiefungsbedarf klären: Entscheiden Sie, ob eine weitergehende Einschätzung notwendig ist (z. B. ein gezieltes Assessment), und veranlassen Sie diese konkret.
    4. Konsequenz ableiten: Verankern Sie für jedes erkannte Risiko eine konkrete, überprüfbare Maßnahme im Maßnahmenplan.
    5. Aktuell halten: Bewerten Sie neu bei Zustandsänderungen und nach besonderen Ereignissen – etwa nach einem Sturz.

    Beispiele: So sieht eine nachvollziehbare Einschätzung aus

    • Sturz: In Themenfeld 2 dokumentiert – unsicherer Gang, nächtliche Toilettengänge, Sturz vor vier Wochen → Sturzrisiko ja. Maßnahme: Nachtlicht aktiv, Begleitung beim nächtlichen Toilettengang anbieten, Wege frei von Stolperfallen halten.
    • Ernährung/Flüssigkeit: In Themenfeld 4 dokumentiert – Getränke bleiben stehen, Frau S. äußert wenig Durst → Risiko ja, vertiefte Einschätzung über ein Trinkprotokoll veranlasst. Maßnahme: Getränke in Sichtweite bereitstellen, regelmäßig ans Trinken erinnern.
    • Schmerz: In Themenfeld 3 dokumentiert – Herr M. äußert belastende Rückenschmerzen bei Bewegung → Schmerz ja. Maßnahme: Schmerzäußerungen beobachten und dokumentieren, schmerzarme Bewegungsabläufe unterstützen, ärztliche Abklärung anregen.

    Typische Fehler beim Ausfüllen der Risikomatrix

    • Widerspruch zur SIS: Ein Risiko ist in den Themenfeldern angedeutet, in der Matrix aber ohne Begründung mit „nein“ bewertet – ein klassischer Befund in der MD-Prüfung.
    • „Ja“ ohne Konsequenz: Das Risiko ist erkannt, aber im Maßnahmenplan findet sich keine Maßnahme – der rote Faden reißt ab.
    • Skalen-Routine statt fachlicher Einschätzung: Assessments pauschal für alle statt gezielt nach begründetem Bedarf.
    • Fehlende Begründung: Die Einschätzung ist angekreuzt, aber aus der Dokumentation nicht nachvollziehbar.
    • Veraltete Matrix: Nach Zustandsänderung oder Sturzereignis wird die Einschätzung nicht erneuert.

    Risikomatrix und MD-Prüfung: Darauf achten die Prüfer

    In der Qualitätsprüfung verfolgt der Medizinische Dienst den roten Faden: Jedes in der SIS angedeutete Risiko muss in der Risikomatrix begründet auftauchen, und jedes erkannte Risiko muss zu einer konkreten, nachweislich durchgeführten Maßnahme führen. Fehlt ein Glied dieser Kette, gilt das als Beanstandung. Welche Kriterien darüber hinaus geprüft werden, lesen Sie im Beitrag „MDK-/MD-Prüfung: Worauf bei der Pflegedokumentation geachtet wird“.

    Wie Pflegeplan KI bei der Risikoeinschätzung unterstützt

    Pflegeplan KI leitet aus den in den Themenfeldern erfassten Informationen Vorschläge für die Risikoeinschätzung ab und hält den roten Faden bis in den Maßnahmenplan durchgängig strukturiert. Jeder Vorschlag bleibt prüfbar und wird erst nach fachlicher Freigabe übernommen (Human-in-the-Loop) – die fachliche Einschätzung und Verantwortung bleiben vollständig bei der Pflegefachkraft.

    Häufige Fragen

    Welche Risiken werden in der SIS-Risikomatrix eingeschätzt?
    Die Matrix umfasst die pflegesensitiven Risiken Dekubitus, Sturz, Schmerz, Inkontinenz und Ernährung (einschließlich Flüssigkeitsversorgung) sowie Raum für weitere Phänomene, etwa Exsikkose, Kontrakturen oder herausforderndes Verhalten.
    Muss ich zusätzlich Assessments oder Skalen ausfüllen?
    Nur wenn die fachliche Ersteinschätzung ergibt, dass eine vertiefte Einschätzung notwendig ist. Das Strukturmodell ersetzt die routinemäßige Skalen-Anwendung durch die begründete fachliche Einschätzung der Pflegefachkraft – Assessments werden gezielt statt pauschal eingesetzt.
    Was passiert, wenn ich ein Risiko mit „ja“ bewerte?
    Dann braucht es eine nachvollziehbare Begründung aus den Themenfeldern, gegebenenfalls eine vertiefte Einschätzung und in jedem Fall eine konkrete Maßnahme im Maßnahmenplan, deren Wirkung im Verlauf beobachtet wird.
    Wie oft muss die Risikomatrix aktualisiert werden?
    Es gibt keine starre Frist: Die Einschätzung wird anlassbezogen erneuert – bei Zustandsänderungen, nach besonderen Ereignissen wie einem Sturz und im Rahmen der regelmäßigen Evaluation der Pflegeplanung.
    Wer darf die Risikomatrix ausfüllen?
    Die fachliche Einschätzung der Risiken liegt bei einer examinierten Pflegefachkraft, denn sie trägt die Verantwortung für die Bewertung und die daraus abgeleiteten Maßnahmen.