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    Risikomatrix in der SIS richtig ausfüllen: Anleitung mit Beispielen

    Fachredaktion Pflegeplan KI · Aktualisiert am 06.07.2026

    Die Risikomatrix der SIS füllen Sie richtig aus, indem Sie für jedes pflegesensitive Risiko – Dekubitus, Sturz, Inkontinenz, Schmerz und Ernährung – fachlich einschätzen, ob ein Risiko vorliegt (ja/nein) und ob eine weitere Einschätzung notwendig ist (ja/nein). Entscheidend sind die Begründung aus den Themenfeldern und die Konsequenz: Jedes erkannte Risiko braucht eine nachvollziehbare Maßnahme im Maßnahmenplan.

    Diese Anleitung richtet sich an Pflegefachkräfte in der ambulanten und stationären Pflege. Die Grundlagen der Informationssammlung finden Sie im Beitrag zu den sechs Themenfeldern der SIS, das Ausfüllen der gesamten SIS in der Schritt-für-Schritt-Anleitung.

    Was ist die Risikomatrix der SIS?

    Die Risikomatrix (in den EinSTEP-Unterlagen schlicht „Matrix“ genannt) ist die fachliche Ersteinschätzung pflegesensitiver Risiken und Phänomene im Strukturmodell. Sie ersetzt das routinemäßige Abarbeiten von Skalen und Assessments: Zuerst schätzt die Pflegefachkraft auf Basis der Themenfelder fachlich ein – nur wenn diese Einschätzung es erfordert, folgt ein gezieltes Assessment. Genau diese begründete fachliche Einschätzung macht die Matrix zum Kern einer schlanken und zugleich prüfsicheren Dokumentation.

    So ist die Matrix im Original-Bogen aufgebaut

    Im SIS-Bogen bildet die Matrix das Feld C2 (die Themenfelder davor sind Feld C1). Die Spalten sind die pflegesensitiven Risiken und Phänomene in der Reihenfolge Dekubitus, Sturz, Inkontinenz, Schmerz und Ernährung, ergänzt um die optionale Spalte „Sonstiges“ für ein individuelles weiteres Risiko oder Phänomen (z. B. Hautintegrität oder herausforderndes Verhalten). Die Zeilen sind mit den Themenfeldern verschränkt – die Überschrift lautet im Original: „Erste fachliche Einschätzung der für die Pflege und Betreuung relevanten Risiken und Phänomene“. Je Spalte wird per Ankreuzverfahren bewertet: Risiko ja/nein und – falls ja – „weitere Einschätzung notwendig?“ ja/nein. Ausgefüllt werden darf die Matrix erst nach Abschluss der Themenfelder, wahlweise je Themenfeld von links nach rechts oder je Risiko von oben nach unten. In der SIS für die ambulante Pflege enthält jede Spalte zusätzlich die Kategorie „Beratung“, in der eine erfolgte Beratung als erledigt abgehakt wird.

    Diese Risiken schätzt die Matrix ein

    • Dekubitus – etwa bei eingeschränkter Mobilität, langem Sitzen oder Liegen.
    • Sturz – etwa bei Gangunsicherheit, nächtlichen Toilettengängen oder Stürzen in der Vorgeschichte.
    • Inkontinenz – Harn- und/oder Stuhlinkontinenz, auch beginnende Symptomatik.
    • Schmerz – akute oder chronische Schmerzen, auch nonverbale Schmerzzeichen.
    • Ernährung – Mangelernährung und unzureichende Flüssigkeitsaufnahme (Essen und Trinken).
    • Sonstiges – optional für ein individuelles weiteres Risiko oder Phänomen, z. B. Hautintegrität oder herausforderndes Verhalten. Prophylaxen gehören nicht hierher, sondern in den Maßnahmenplan.

    Schritt für Schritt: So füllen Sie die Risikomatrix aus

    1. Themenfelder als Grundlage nehmen: Die Matrix wird erst nach Abschluss der Themenfelder ausgefüllt und aus deren Erkenntnissen begründet – nicht isoliert und nicht nebenbei je Themenfeld.
    2. Je Risiko fachlich entscheiden: Liegt ein Risiko oder Phänomen vor – ja oder nein? Wichtig: Auch ein gut bewältigtes, stabiles Phänomen (z. B. eine eingestellte Schmerzsituation) wird mit „ja“ angekreuzt.
    3. Weitere Einschätzung klären: Entscheiden Sie je erkanntem Risiko, ob eine weitere Einschätzung notwendig ist (z. B. ein gezieltes Assessment), und veranlassen Sie diese konkret.
    4. Konsequenz ableiten: Verankern Sie für jedes erkannte Risiko eine konkrete, überprüfbare Maßnahme im Maßnahmenplan.
    5. Aktuell halten: Bewerten Sie neu bei Zustandsänderungen und nach besonderen Ereignissen – etwa nach einem Sturz.

    Beispiele: So sieht eine nachvollziehbare Einschätzung aus

    Beispielhaft ausgefüllte Risikomatrix der SIS (Feld C2) im Original-Aufbau: Spalten Dekubitus, Sturz, Inkontinenz, Schmerz, Ernährung und Sonstiges, Zeilen mit den Themenfeldern verschränkt; Sturz, Schmerz und Ernährung sind mit ja angekreuzt, bei Ernährung zusätzlich weitere Einschätzung notwendig
    Beispielhaft ausgefüllte Matrix (Feld C2) in Anlehnung an den Original-Bogen der SIS (stationär) nach EinSTEP; ambulant ergänzt um die Spalte „Beratung“.
    • Sturz: In Themenfeld 2 dokumentiert – unsicherer Gang, nächtliche Toilettengänge, Sturz vor vier Wochen → Sturzrisiko ja. Maßnahme: Nachtlicht aktiv, Begleitung beim nächtlichen Toilettengang anbieten, Wege frei von Stolperfallen halten.
    • Ernährung/Flüssigkeit: In Themenfeld 4 dokumentiert – Getränke bleiben stehen, Frau S. äußert wenig Durst → Risiko ja, vertiefte Einschätzung über ein Trinkprotokoll veranlasst. Maßnahme: Getränke in Sichtweite bereitstellen, regelmäßig ans Trinken erinnern.
    • Schmerz: In Themenfeld 3 dokumentiert – Herr M. äußert belastende Rückenschmerzen bei Bewegung → Schmerz ja. Maßnahme: Schmerzäußerungen beobachten und dokumentieren, schmerzarme Bewegungsabläufe unterstützen, ärztliche Abklärung anregen.

    Typische Fehler beim Ausfüllen der Risikomatrix

    • Widerspruch zur SIS: Ein Risiko ist in den Themenfeldern angedeutet, in der Matrix aber ohne Begründung mit „nein“ bewertet – ein klassischer Befund in der MD-Prüfung.
    • „Ja“ ohne Konsequenz: Das Risiko ist erkannt, aber im Maßnahmenplan findet sich keine Maßnahme – der rote Faden reißt ab.
    • Skalen-Routine statt fachlicher Einschätzung: Assessments pauschal für alle statt gezielt nach begründetem Bedarf.
    • Fehlende Begründung: Die Einschätzung ist angekreuzt, aber aus der Dokumentation nicht nachvollziehbar.
    • Veraltete Matrix: Nach Zustandsänderung oder Sturzereignis wird die Einschätzung nicht erneuert.

    Risikomatrix und MD-Prüfung: Darauf achten die Prüfer

    In der Qualitätsprüfung verfolgt der Medizinische Dienst den roten Faden: Jedes in der SIS angedeutete Risiko muss in der Risikomatrix begründet auftauchen, und jedes erkannte Risiko muss zu einer konkreten, nachweislich durchgeführten Maßnahme führen. Fehlt ein Glied dieser Kette, gilt das als Beanstandung. Welche Kriterien darüber hinaus geprüft werden, lesen Sie im Beitrag „MDK-/MD-Prüfung: Worauf bei der Pflegedokumentation geachtet wird“.

    KI-gestützte Risikoeinschätzung: schneller zur begründeten Matrix

    KI-gestützte Systeme können die Risikoeinschätzung spürbar beschleunigen – nicht, indem sie die Einschätzung übernehmen, sondern indem sie die zeitraubende Vorarbeit leisten. Statt eines leeren Formulars, für das alle Themenfelder von Hand nach Risikosignalen durchsucht werden müssen, liegt ein begründeter Vorschlag zur Prüfung vor:

    • Risikosignale zusammentragen: Die KI bündelt Hinweise aus den Themenfeldern – etwa Gangunsicherheit und einen zurückliegenden Sturz aus Themenfeld 2 als Hinweis auf ein Sturzrisiko, stehen gelassene Getränke aus Themenfeld 4 als Hinweis auf ein Ernährungs-/Flüssigkeitsrisiko.
    • Vorschlag mit Begründungsbezug: Je Risiko entsteht ein Einschätzungsvorschlag samt Verweis auf die zugrunde liegende Stelle in der SIS – die Begründung ist damit von Anfang an nachvollziehbar dokumentiert.
    • Konsistenz prüfen: Die KI macht Brüche im roten Faden sichtbar, z. B. ein in den Themenfeldern angedeutetes, in der Matrix aber unbegründet verneintes Risiko – oder ein erkanntes Risiko ohne Maßnahme im Maßnahmenplan. Genau diese Brüche sind die klassischen MD-Befunde.
    • Zeitgewinn beim Aktualisieren: Nach Zustandsänderungen oder einem Sturzereignis liegt die bisherige Einschätzung strukturiert vor und muss nur gezielt fortgeschrieben werden.

    Die Grenze bleibt dabei klar: Die Matrix ist per Definition die erste fachliche Einschätzung der Pflegefachkraft. Ein KI-Vorschlag ersetzt weder diese Bewertung noch die Entscheidung, ob eine vertiefte Einschätzung (z. B. ein gezieltes Assessment) notwendig ist – er macht sie nur schneller begründbar. Wie KI-Unterstützung im Arbeitsalltag insgesamt trägt, lesen Sie im Beitrag „KI-Pflegedokumentation im Arbeitsalltag“.

    Wie Pflegeplan KI bei der Risikoeinschätzung unterstützt

    Pflegeplan KI leitet aus den in den Themenfeldern erfassten Informationen Vorschläge für die Risikoeinschätzung ab und hält den roten Faden bis in den Maßnahmenplan durchgängig strukturiert. Jeder Vorschlag bleibt prüfbar und wird erst nach fachlicher Freigabe übernommen (Human-in-the-Loop) – die fachliche Einschätzung und Verantwortung bleiben vollständig bei der Pflegefachkraft.

    Häufige Fragen

    Welche Risiken werden in der SIS-Risikomatrix eingeschätzt?
    Die Matrix umfasst die pflegesensitiven Risiken und Phänomene Dekubitus, Sturz, Inkontinenz, Schmerz und Ernährung (einschließlich Flüssigkeitsversorgung) sowie die optionale Spalte „Sonstiges“ für ein individuelles weiteres Risiko oder Phänomen, etwa Hautintegrität oder herausforderndes Verhalten.
    Muss ich zusätzlich Assessments oder Skalen ausfüllen?
    Nur wenn die fachliche Ersteinschätzung ergibt, dass eine vertiefte Einschätzung notwendig ist. Das Strukturmodell ersetzt die routinemäßige Skalen-Anwendung durch die begründete fachliche Einschätzung der Pflegefachkraft – Assessments werden gezielt statt pauschal eingesetzt.
    Was passiert, wenn ich ein Risiko mit „ja“ bewerte?
    Dann braucht es eine nachvollziehbare Begründung aus den Themenfeldern, gegebenenfalls eine vertiefte Einschätzung und in jedem Fall eine konkrete Maßnahme im Maßnahmenplan, deren Wirkung im Verlauf beobachtet wird.
    Wie oft muss die Risikomatrix aktualisiert werden?
    Es gibt keine starre Frist: Die Einschätzung wird anlassbezogen erneuert – bei Zustandsänderungen, nach besonderen Ereignissen wie einem Sturz und im Rahmen der regelmäßigen Evaluation der Pflegeplanung.
    Wer darf die Risikomatrix ausfüllen?
    Die fachliche Einschätzung der Risiken liegt bei einer examinierten Pflegefachkraft, denn sie trägt die Verantwortung für die Bewertung und die daraus abgeleiteten Maßnahmen.
    Kann KI die Risikoeinschätzung in der SIS übernehmen?
    Nein. KI kann Risikosignale aus den Themenfeldern zusammentragen, begründete Einschätzungsvorschläge erstellen und den roten Faden bis zum Maßnahmenplan auf Konsistenz prüfen – das spart Such- und Schreibarbeit. Die fachliche Einschätzung in der Matrix, die Entscheidung über vertiefte Assessments und die Verantwortung bleiben bei der examinierten Pflegefachkraft (Human-in-the-Loop).