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Formulieren · Praxis

SIS-Formulierungshilfen: kostenlose Beispiele für alle sechs Themenfelder

Beispielsätze für Feld B und alle sechs Themenfelder – und die eine Warnung, die auf den meisten Formulierungshilfen-Seiten fehlt: Das Projektbüro EinSTEP hält vorgefertigte Textbausteine für unvereinbar mit der SIS. Wie Sie Beispiele trotzdem sinnvoll nutzen.

Fachredaktion Pflegeplan KIAktualisiert am 04.09.2026 8 Min. Lesezeit

SIS-Formulierungshilfen sind Beispielformulierungen, die Ton und Aufbau guter SIS-Einträge zeigen: fähigkeitsorientiert, wertneutral, stichpunktartig. Auf dieser Seite finden Sie kostenlose Beispiele für die Eingangsfrage (Feld B) und alle sechs Themenfelder (Feld C1). Die EinSTEP-Schulungsunterlagen bezeichnen vorgefertigte Textbausteine als „unbedingt zu vermeiden“, weil sie einer individuellen Situationseinschätzung widersprechen. Nutzen Sie die Beispiele als Orientierung für den Stil – der Inhalt muss aus dem Gespräch mit der konkreten Person stammen.

Orientierung statt Textbaustein

Die Nutzung von vorgefertigten Textbausteinen ist im Hinblick auf eine individuelle Situationsbeschreibung unbedingt zu vermeiden, da dies nicht mit einer individuellen Situationseinschätzung im Einklang steht (Person-zentrierter Ansatz).
EinSTEP-Schulungsunterlagen 3.1 (Februar 2026), Prinzipien der praktischen Anwendung des Feld C1

Das Projektbüro EinSTEP ist an dieser Stelle so deutlich wie sonst selten. Für den Maßnahmenplan gilt dasselbe: Dort nennen die Unterlagen die „Verwendung von Textbausteinen (sog. Formulierungshilfen) anstelle individueller Darstellung“ als typischen Fehler. Und im Fachgespräch mit dem Medizinischen Dienst fällt ein Satz, der in mehreren Akten wortgleich steht, als Erstes auf – individuell kann er nicht sein.

Warum dann überhaupt Beispiele? Weil sie etwas zeigen, was sich schwer erklären lässt: wie fähigkeitsorientierte, konkrete Einträge klingen. Wer einmal den Unterschied zwischen „kann nicht mehr allein gehen“ und „läuft untergehakt, geht mit Rollator sicher“ gesehen hat, formuliert anders – bei jeder Person neu.

Vier Regeln für gute SIS-Formulierungen

Fähigkeiten zuerst, wertneutral bleiben. Beschreiben Sie, was die Person tut und kann, dann den Unterstützungsbedarf. Die EinSTEP-Unterlagen empfehlen Verben – „geht unsicher“, „trinkt bereitgestellte Getränke“, „wäscht sich Hände und Gesicht“ – und raten von Formeln wie „kann nicht mehr“ oder „ist nicht mehr in der Lage“ ab. Etiketten wie „unkooperativ“ oder „verwirrt“ sind Wertungen; beobachtbares Verhalten ist eine Information.

Stichpunkte reichen. Ganze Sätze sind in den Themenfeldern nicht erforderlich, die Wiederholung des Namens auch nicht. Eine knappe Formulierung ist laut EinSTEP übersichtlicher und besser lesbar – und passt auf den Bogen.

Konkret und überprüfbar. „Trinkt ohne Erinnerung unter einem Liter täglich“ kann jede Kollegin nachprüfen. „Trinkt zu wenig“ nicht. Konkretheit ist auch der Grund, warum ein Eintrag später eine Matrix-Entscheidung begründen kann.

Roter Faden. Jedes Risiko, das in einem Themenfeld anklingt – etwa die Sturzgefahr in Themenfeld 2 –, taucht begründet in der Risikomatrix wieder auf und mündet bei Bedarf in einer Maßnahme. Ein Verweis wie „(siehe Matrix: Sturz)“ macht die Verbindung sichtbar.

Schaubild: Aus der defizitorientierten, wertenden Formulierung „Herr M. kann nicht mehr allein gehen und ist beim Waschen unkooperativ“ wird eine fähigkeitsorientierte, stichpunktartige SIS-Formulierung; darunter die vier Regeln – Fähigkeiten zuerst, Stichpunkte reichen, konkret und überprüfbar, roter Faden zur Matrix
Von der defizitorientierten zur fähigkeitsorientierten Formulierung – in Anlehnung an das Original-Beispiel der EinSTEP-Schulungsunterlagen.

Defizitorientiert

Herr Müller kann nicht mehr allein gehen.

Fähigkeitsorientiert, stichpunktartig

Läuft untergehakt; geht mit Rollator, auch beim Aufstehen und Hinsetzen sicher damit um.

Defizitorientiert

Frau M. ist nicht mehr in der Lage, allein zu essen und zu trinken.

Fähigkeitsorientiert, stichpunktartig

Isst angereichte Nahrung und trinkt bereitgestellte Getränke.

Defizitorientiert

Kann sich nicht mehr allein positionieren.

Fähigkeitsorientiert, stichpunktartig

Unterstützt den Positionswechsel mit Festhalten der rechten Hand am Bettseitenteil.

Alle drei Gegenüberstellungen stammen sinngemäß aus der Beispieltabelle der EinSTEP-Schulungsunterlagen 3.1. Die rechte Spalte sagt, was die Person tut – und damit auch, woran Maßnahmen anknüpfen können.

Feld B: die Eingangsfrage im O-Ton

In Feld B steht die Sichtweise der pflegebedürftigen Person – möglichst wörtlich, nicht in Fachsprache übersetzt. Die Eingangsfrage lautet: „Was bewegt Sie im Augenblick? Was brauchen Sie? Was können wir für Sie tun?“ Hier gibt es per Definition keine Formulierungshilfe, weil die Person formuliert. Zwei Beispiele, wie Antworten aussehen können:

  • „Ich will morgens in Ruhe frühstücken und so lange wie möglich allein zur Toilette gehen. Vor der Treppe habe ich Angst.“
  • „Meine Tochter macht schon so viel. Ich bin froh, wenn mir jemand beim Duschen hilft – aber bitte keine fremden Männer.“

Themenfeld 1: kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Die Leitfrage lautet (verkürzt): Inwieweit ist die Person in der Lage, sich zeitlich, persönlich und örtlich zu orientieren, zu interagieren sowie Risiken und Gefahren zu erkennen – auch unter Beachtung von Aspekten herausfordernden Verhaltens? Beispiel-Formulierungen:

  • „Erkennt vertraute Personen, nennt die Tochter beim Namen; zeitliche Orientierung wechselnd, abends stärker eingeschränkt.“
  • „Versteht kurze Sätze, beantwortet Ja/Nein-Fragen sicher; findet Wörter oft nicht, hilft sich mit Gesten.“
  • „Bedient Telefon und Klingel selbstständig; erkennt Gefahren im Straßenverkehr nicht zuverlässig (siehe Matrix: Sonstiges).“

Themenfeld 2: Mobilität und Beweglichkeit

Leitfrage (verkürzt): Inwieweit kann sich die Person frei und selbstständig innerhalb und außerhalb der Wohnung bzw. des Wohnbereichs bewegen? Beispiel-Formulierungen:

  • „Steht ohne Hilfe vom Stuhl auf; geht in der Wohnung frei, draußen mit Rollator.“
  • „Dreht sich im Bett selbstständig; Transfer Bett–Rollstuhl mit einer Person, Anleitung genügt.“
  • „Gang nach Hüft-OP unsicher, hält sich an Möbeln fest; nachts erhöhte Sturzgefahr (siehe Matrix: Sturz).“

Themenfeld 3: krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen

Leitfrage: Inwieweit liegen krankheits- und therapiebedingte sowie für Pflege und Betreuung relevante Einschränkungen vor? Beispiel-Formulierungen:

  • „Insulinpflichtiger Diabetes: Blutzuckerkontrolle und Injektion morgens und abends durch den Pflegedienst; achtet selbst auf die Ernährung.“
  • „Chronische Rückenschmerzen, äußert sie erst auf Nachfrage (siehe Matrix: Schmerz); Bedarfsmedikation nach ärztlicher Anordnung vorhanden.“
  • „Atemnot bei Belastung, legt selbstständig Pausen ein; Beine abends geschwollen, Kompressionsstrümpfe zieht morgens die Pflegekraft an.“

Themenfeld 4: Selbstversorgung

Leitfrage: Inwieweit ist die Fähigkeit zur Körperpflege, zum Kleiden, zur Ernährung und zur Ausscheidung eingeschränkt? Beispiel-Formulierungen:

  • „Wäscht Gesicht, Hände und Oberkörper am Waschbecken selbst; Rücken und Unterkörper übernimmt die Pflegekraft, Zahnprothese versorgt sie selbst.“
  • „Isst selbstständig, wenn die Mahlzeit mundgerecht vorbereitet ist; trinkt ohne Erinnerung unter einem Liter täglich (siehe Matrix: Ernährung).“
  • „Geht tagsüber selbstständig zur Toilette; nachts Vorlage gewünscht (siehe Matrix: Inkontinenz).“

Themenfeld 5: Leben in sozialen Beziehungen

Leitfrage: Inwieweit kann die Person Aktivitäten im näheren Umfeld und im außerhäuslichen Bereich selbst gestalten? Beispiel-Formulierungen:

  • „Telefoniert täglich mit der Tochter; der Besuch der Enkel am Sonntag ist ihr wichtig.“
  • „Zieht sich seit dem Tod der Ehefrau zurück, lehnt Gruppenangebote bisher ab; nimmt Einzelgespräche gern an.“
  • „Singt gern, nimmt mittwochs am Singkreis teil; benötigt Erinnerung und Begleitung auf dem Weg.“

Themenfeld 6: Haushaltsführung bzw. Wohnen/Häuslichkeit

Themenfeld 6 unterscheidet sich als einziges Themenfeld je Versorgungsform: ambulant „Haushaltsführung“, vollstationär „Wohnen/Häuslichkeit“, mit eigenen Varianten für Tagespflege und Kurzzeitpflege. Details und weitere Beispiele stehen im Beitrag zum Themenfeld 6. Beispiel-Formulierungen:

  • Ambulant: „Bereitet Frühstück und Abendbrot selbst zu; warme Mahlzeit über Essen auf Rädern, Wäsche übernimmt die Tochter.“
  • Ambulant: „Erledigt kleine Einkäufe mit Begleitung und bezahlt selbst an der Kasse (Ressource erhalten).“
  • Stationär: „Hat eigene Möbel und Fotos mitgebracht, das Zimmer ist ihr wichtig; möchte beim Bettenmachen mithelfen.“

Woran man den Textbaustein erkennt

Zurück zu Sabine Lorenz um 21:40 Uhr. Was unterscheidet einen Eintrag, der aus dem Gespräch stammt, von einem, der aus einer Sammlung kopiert wurde? Meist drei Dinge. Der kopierte Eintrag ist allgemein – „Ressourcen fördern“, „auf Wünsche eingehen“ – und könnte bei jeder Person stehen. Er ist wertend – „verwirrt“, „unkooperativ“, „verweigert“ – statt zu beschreiben, was passiert. Und er ist isoliert: Er deutet ein Risiko an, das in der Matrix nicht wieder auftaucht, weil niemand darüber nachgedacht hat. Der Eintrag aus dem Gespräch dagegen hat Details, die nur zu dieser Person passen – der Singkreis am Mittwoch, das Radio, das „Toni“ heißt.

Merksatz

Der Test ist einfach: Könnte dieser Satz auch in der Akte nebenan stehen? Dann ist er kein SIS-Eintrag, sondern ein Textbaustein.

Wie Pflegeplan KI individuelle Formulierungen erzeugt

Der eigentliche Grund für Textbausteine ist Zeitdruck – nicht fehlendes Fachwissen. Pflegeplan KI setzt deshalb beim Erfassen an: Sie schildern die Situation der Person frei per Diktat, direkt nach dem Gespräch. Die KI strukturiert die Inhalte in die Themenfelder und formuliert fähigkeitsorientierte, stichpunktartige Einträge – aus Ihren Beobachtungen statt aus einer Baustein-Sammlung. Jeder Vorschlag bleibt prüfbar und wird erst nach Ihrer fachlichen Freigabe übernommen. Wie das funktioniert, zeigt der Beitrag SIS mit KI schreiben.

Häufige Fragen

Sind Formulierungshilfen in der SIS erlaubt?
Als Orientierung ja – als Textbaustein nein. Die EinSTEP-Schulungsunterlagen bezeichnen vorgefertigte Textbausteine als unbedingt zu vermeiden, weil sie der individuellen Situationseinschätzung widersprechen. Beispiele dürfen Ton und Aufbau zeigen; die Inhalte müssen aus dem Gespräch mit der konkreten Person stammen.
Gibt es offizielle SIS-Formulierungshilfen von EinSTEP?
Nein. Das Projektbüro EinSTEP stellt die SIS-Bögen, verbindliche Leitfragen je Themenfeld und in den Schulungsunterlagen einzelne Impulsbeispiele bereit – aber bewusst keine Formulierungssammlung. Die Leitfragen geben vor, worum es geht; wie Sie formulieren, bleibt Ihrer fachlichen Einschätzung überlassen.
Wo gibt es kostenlose SIS-Vorlagen zum Ausfüllen?
Die offiziellen SIS-Bögen stehen auf ein-step.de kostenlos zum Download bereit – in allen Varianten (ambulant, vollstationär, Tagespflege, Kurzzeitpflege), jeweils in DIN A4 und DIN A3, elektronisch ausfüllbar oder zum Ausdrucken.
Wie formuliere ich fähigkeitsorientiert statt defizitorientiert?
Beschreiben Sie zuerst, was die Person tut und kann – mit Verben –, dann den konkreten Unterstützungsbedarf. Wertneutral und beobachtbar. Statt „kann nicht mehr allein gehen“ also: „läuft untergehakt, geht mit Rollator auch beim Aufstehen und Hinsetzen sicher damit um“. Das Beispiel stammt sinngemäß aus den EinSTEP-Schulungsunterlagen.
Darf ich in der SIS Stichpunkte verwenden?
Ja, ausdrücklich. Ganze Sätze sind in den Themenfeldern nicht erforderlich, die Wiederholung des Namens auch nicht. Eine knappe, stichpunktartige Formulierung ist laut EinSTEP übersichtlich und unterstützt die Lesbarkeit.
Darf ich Fachbegriffe wie „Kontinenzprofil“ verwenden?
Ja. Die EinSTEP-Unterlagen stellen klar, dass die Nutzung von Fachbegriffen, die gegebenenfalls einrichtungsintern beschrieben sind, der individuellen Formulierung nicht entgegensteht. Der Begriff muss für alle Beteiligten dasselbe bedeuten.

Quellen und weiterführende Dokumente

  • Projektbüro EinSTEP: Informations- und Schulungsunterlagen zum Strukturmodell, Version 3.1 (Februar 2026) – ein-step.de/schulungsunterlagen
  • Projektbüro EinSTEP: Anlage 1a/1b – Funktion der SIS® und Matrix, ambulant und stationär (Version 3.0, 2025)
  • Projektbüro EinSTEP: SIS®-Bögen ambulant, vollstationär, Tagespflege und Kurzzeitpflege (kostenloser Download) – ein-step.de