SIS-Formulierungshilfen: kostenlose Beispiele für alle sechs Themenfelder
Fachredaktion Pflegeplan KI · Veröffentlicht am 13.07.2026
SIS-Formulierungshilfen sind Beispielformulierungen, die Ton und Aufbau guter SIS-Einträge zeigen – fähigkeitsorientiert, wertneutral und stichpunktartig. Auf dieser Seite finden Sie kostenlose Beispiele für die Eingangsfrage (Feld B) und alle sechs Themenfelder (Feld C1). Wichtig dabei: Die EinSTEP-Schulungsunterlagen warnen ausdrücklich davor, vorgefertigte Textbausteine zu übernehmen, weil das einer individuellen Situationseinschätzung widerspricht. Nutzen Sie die Beispiele deshalb als Orientierung für eigene, individuelle Formulierungen.
Dieser Beitrag richtet sich an Pflegefachkräfte in der ambulanten und stationären Pflege. Wenn Sie zuerst den Ablauf brauchen, lesen Sie die Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Ausfüllen der SIS – hier geht es um das Formulieren selbst.
Formulierungshilfen richtig nutzen: Orientierung statt Textbaustein
Die EinSTEP-Schulungsunterlagen (Version 3.0, Mai 2025) sind eindeutig: Die Nutzung vorgefertigter Textbausteine ist „unbedingt zu vermeiden“, weil sie nicht mit einer individuellen Situationseinschätzung im Einklang steht – das gilt für die SIS und ebenso für den Maßnahmenplan, wo „Textbausteine (sog. Formulierungshilfen) anstelle individueller Darstellung“ als typischer Fehler benannt werden. Auch in der Qualitätsprüfung fallen wortgleiche Sätze über mehrere Pflegedokumentationen hinweg als Warnsignal auf. Richtig eingesetzt sind Formulierungshilfen trotzdem wertvoll: Sie zeigen, wie fähigkeitsorientierte, konkrete Einträge klingen – die Inhalte müssen aber immer aus dem Gespräch und der Beobachtung der konkreten Person stammen.
Vier Regeln für gute SIS-Formulierungen
- Fähigkeiten zuerst, wertneutral bleiben: „Läuft untergehakt, geht mit Rollator sicher“ statt „kann nicht mehr allein gehen“. Wertende Etiketten wie „unkooperativ“ oder „verweigert“ vermeiden – beobachtbares Verhalten beschreiben.
- Stichpunkte reichen: Die EinSTEP-Unterlagen stellen klar, dass weder ganze Sätze noch die Wiederholung des Namens erforderlich sind – knapp und übersichtlich ist ausdrücklich erwünscht.
- Konkret und überprüfbar: „trinkt ohne Erinnerung unter einem Liter täglich“ statt „trinkt zu wenig“ – so kann jede Kollegin die Angabe nachvollziehen und überprüfen.
- Roter Faden: Jedes im Themenfeld angedeutete Risiko (z. B. Sturzgefahr) taucht in der Risikomatrix (Feld C2) begründet wieder auf – und mündet bei Bedarf in einer Maßnahme.
Feld B: die Eingangsfrage im O-Ton
In Feld B steht die Sichtweise der pflegebedürftigen Person – möglichst wörtlich, nicht in Fachsprache übersetzt. Die Eingangsfrage lautet im Original: „Was bewegt Sie im Augenblick? Was brauchen Sie? Was können wir für Sie tun?“ Zwei Beispiele, wie Antworten im O-Ton aussehen können:
- „Ich will morgens in Ruhe frühstücken und so lange wie möglich allein zur Toilette. Vor der Treppe habe ich Angst.“
- „Meine Tochter macht schon so viel. Ich bin froh, wenn mir jemand beim Duschen hilft – aber bitte keine fremden Männer.“
Themenfeld 1: kognitive und kommunikative Fähigkeiten
Leitfrage im Original: Inwieweit ist die Person in der Lage, sich zeitlich, persönlich und örtlich zu orientieren und zu interagieren sowie Risiken und Gefahren zu erkennen? Beispiel-Formulierungen:
- „Erkennt vertraute Personen, nennt die Tochter beim Namen; zeitliche Orientierung wechselnd, abends stärker eingeschränkt.“
- „Versteht kurze Sätze, beantwortet Ja/Nein-Fragen sicher; findet Wörter oft nicht, hilft sich mit Gesten.“
- „Bedient Telefon und Klingel selbstständig; erkennt Gefahren im Straßenverkehr nicht zuverlässig (siehe Matrix: Sonstiges).“
Themenfeld 2: Mobilität und Beweglichkeit
Leitfrage im Original: Inwieweit kann sich die Person frei und selbstständig innerhalb und außerhalb der Wohnung bzw. des Wohnbereichs bewegen? Beispiel-Formulierungen:
- „Steht ohne Hilfe vom Stuhl auf; geht in der Wohnung frei, draußen mit Rollator.“
- „Dreht sich im Bett selbstständig; Transfer Bett–Rollstuhl mit einer Person, Anleitung genügt.“
- „Gang nach Hüft-OP unsicher, hält sich an Möbeln fest; nachts erhöhte Sturzgefahr (siehe Matrix: Sturz).“
Themenfeld 3: krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen
Leitfrage im Original: Inwieweit liegen krankheits- und therapiebedingte sowie für Pflege und Betreuung relevante Einschränkungen vor? Beispiel-Formulierungen:
- „Insulinpflichtiger Diabetes: Blutzuckerkontrolle und Injektion morgens und abends durch den Pflegedienst; achtet selbst auf die Ernährung.“
- „Chronische Rückenschmerzen, äußert sie erst auf Nachfrage (siehe Matrix: Schmerz); Bedarfsmedikation nach ärztlicher Anordnung vorhanden.“
- „Atemnot bei Belastung, legt selbstständig Pausen ein; Beine abends geschwollen, Kompressionsstrümpfe zieht morgens die Pflegekraft an.“
Themenfeld 4: Selbstversorgung
Leitfrage im Original: Inwieweit ist die Fähigkeit zur Körperpflege, zum Kleiden, zur Ernährung und zur Ausscheidung eingeschränkt? Beispiel-Formulierungen:
- „Wäscht Gesicht, Hände und Oberkörper am Waschbecken selbst; Rücken und Unterkörper übernimmt die Pflegekraft, Zahnprothese versorgt sie selbst.“
- „Isst selbstständig, wenn die Mahlzeit mundgerecht vorbereitet ist; trinkt ohne Erinnerung unter einem Liter täglich (siehe Matrix: Ernährung).“
- „Geht tagsüber selbstständig zur Toilette; nachts Vorlage gewünscht (siehe Matrix: Inkontinenz).“
Themenfeld 5: Leben in sozialen Beziehungen
Leitfrage im Original: Inwieweit kann die Person Aktivitäten im näheren Umfeld und im außerhäuslichen Bereich selbst gestalten? Beispiel-Formulierungen:
- „Telefoniert täglich mit der Tochter; der Besuch der Enkel am Sonntag ist ihr wichtig.“
- „Zieht sich seit dem Tod der Ehefrau zurück, lehnt Gruppenangebote bisher ab; nimmt Einzelgespräche gern an.“
- „Singt gern, nimmt mittwochs am Singkreis teil; benötigt Erinnerung und Begleitung auf dem Weg.“
Themenfeld 6: Haushaltsführung bzw. Wohnen/Häuslichkeit
Themenfeld 6 ist das einzige Themenfeld, das sich je nach Versorgungsform unterscheidet – ambulant „Haushaltsführung“, vollstationär „Wohnen/Häuslichkeit“ (Details im eigenen Beitrag zum Themenfeld 6). Beispiel-Formulierungen:
- Ambulant: „Bereitet Frühstück und Abendbrot selbst zu; warme Mahlzeit über Essen auf Rädern, Wäsche übernimmt die Tochter.“
- Ambulant: „Erledigt kleine Einkäufe mit Begleitung und bezahlt selbst an der Kasse (Ressource erhalten).“
- Stationär: „Hat eigene Möbel und Fotos mitgebracht, das Zimmer ist ihr wichtig; möchte beim Bettenmachen mithelfen.“
Häufige Fehler im Umgang mit Formulierungshilfen
- Beispielsätze kopieren und nur den Namen austauschen – wortgleiche Einträge über mehrere Akten sind ein typisches Warnsignal in der Qualitätsprüfung.
- Defizitorientierte oder wertende Sprache übernehmen („verwirrt“, „unkooperativ“, „verweigert“) statt beobachtbares Verhalten zu beschreiben.
- Feld B in Fachsprache formulieren – dort gehört die Sichtweise der Person im O-Ton hin.
- Pauschalfloskeln ohne Individualbezug („Ressourcen fördern“, „auf Wünsche eingehen“).
- Risiken im Themenfeld andeuten, aber die Matrix nicht begründen – der rote Faden reißt.
Wie Pflegeplan KI individuelle Formulierungen erzeugt
Der eigentliche Grund für Textbausteine ist Zeitdruck – nicht fehlendes Fachwissen. Pflegeplan KI setzt deshalb beim Erfassen an: Sie schildern die Situation der Person frei per Diktat, die KI strukturiert die Inhalte in die Themenfelder und formuliert fähigkeitsorientierte, stichpunktartige Einträge – aus Ihren individuellen Beobachtungen statt aus einer Baustein-Sammlung. Jeder Vorschlag bleibt prüfbar und wird erst nach Ihrer fachlichen Freigabe übernommen (Human-in-the-Loop).
Häufige Fragen
- Sind Formulierungshilfen in der SIS erlaubt?
- Als Orientierung ja – als Textbaustein nein. Die EinSTEP-Schulungsunterlagen bezeichnen vorgefertigte Textbausteine als unbedingt zu vermeiden, weil sie einer individuellen Situationseinschätzung widersprechen. Beispiele dürfen Ton und Aufbau zeigen; die Inhalte müssen aus dem Gespräch und der Beobachtung der konkreten Person stammen.
- Gibt es offizielle SIS-Formulierungshilfen von EinSTEP?
- Nein. Das EinSTEP-Projektbüro stellt die SIS-Bögen und verbindliche Leitfragen je Themenfeld bereit, aber bewusst keine Formulierungssammlungen. Die Leitfragen geben vor, worum es im Themenfeld geht – wie Sie formulieren, bleibt der fachlichen Einschätzung überlassen.
- Wo gibt es kostenlose SIS-Vorlagen zum Ausfüllen?
- Die offiziellen SIS-Bögen stehen auf www.ein-step.de kostenlos zum Download bereit – in allen Varianten (ambulant, vollstationär, Tagespflege, Kurzzeitpflege), jeweils in DIN A4 und DIN A3, elektronisch ausfüllbar oder zum Ausdrucken.
- Wie formuliere ich fähigkeitsorientiert statt defizitorientiert?
- Beschreiben Sie zuerst, was die Person kann, und dann den konkreten Unterstützungsbedarf – wertneutral und beobachtbar. Statt „kann nicht mehr allein gehen“ also: „läuft untergehakt, geht mit Rollator auch beim Aufstehen und Hinsetzen sicher“. Dieses Beispiel stammt sinngemäß aus den EinSTEP-Schulungsunterlagen.
- Darf ich in der SIS Stichpunkte verwenden?
- Ja, ausdrücklich. Die EinSTEP-Unterlagen stellen klar, dass in den Themenfeldern weder ganze Sätze noch die Wiederholung des Namens erforderlich sind – eine knappe, stichpunktartige Formulierung ist übersichtlich und unterstützt die Lesbarkeit.