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Grundlagen · Themenfelder

Themenfeld 6 der SIS: Haushaltsführung bzw. Wohnen/Häuslichkeit – mit Beispielen

Fünf Themenfelder sind in jeder SIS gleich. Das sechste wechselt mit der Versorgungsform seinen Namen und seinen Blick – vom Haushalt zu Hause über das neue Zimmer im Heim bis zur Frage, wie es nach der Kurzzeitpflege weitergeht. Was jeweils hineingehört und wo die Grenze zu den Themenfeldern 4 und 5 liegt.

Fachredaktion Pflegeplan KIAktualisiert am 04.09.2026 8 Min. Lesezeit

Themenfeld 6 ist das einzige Themenfeld der SIS, das auf die Versorgungsform zugeschnitten ist. In der ambulanten Pflege heißt es „Haushaltsführung“, in der vollstationären Pflege „Wohnen/Häuslichkeit“. In der Tagespflege lautet es „Erhalt/Förderung von Alltagsfähigkeiten bzw. Sicherstellung von Rückzugsbedürfnissen“, in der Kurzzeitpflege „Wahrung der Individualität während des Aufenthaltes / Erste Einschätzung zur weiteren Versorgung nach der Kurzzeitpflege“. Allen Varianten gemeinsam ist der Blick auf den Alltag: Wie gestaltet die Person ihr Leben und ihre Umgebung – zu Hause, im neuen Zimmer oder während eines befristeten Aufenthalts?

Warum sich Themenfeld 6 je Versorgungsform unterscheidet

Die Themenfelder 1 bis 5 sind in allen SIS-Varianten identisch. Sie orientieren sich an den Modulen des Begutachtungsinstruments und beschreiben die Person: Kognition, Mobilität, Krankheit, Selbstversorgung, Beziehungen. Themenfeld 6 beschreibt dagegen die Lebenswelt – und die ist je Versorgungsform grundverschieden. Zu Hause geht es um den Haushalt. Im Pflegeheim um das Einleben in einen neuen Lebensraum. In der Tagespflege um Alltagsgestaltung und Rückzug während weniger Stunden. In der Kurzzeitpflege um die Perspektive: Wie geht es danach weiter?

Deshalb stellt das Projektbüro EinSTEP vier SIS-Varianten bereit, die sich genau in diesem Feld unterscheiden. Die Varianten für Tagespflege und Kurzzeitpflege entstanden 2017/2018 nach eigenen Praxistests; ihre Themen beruhen auf Konsensentscheidungen der damaligen Expertengruppen.

Schaubild: Die vier Varianten von Themenfeld 6 der SIS – Haushaltsführung (ambulant), Wohnen/Häuslichkeit (vollstationär), Erhalt/Förderung von Alltagsfähigkeiten bzw. Sicherstellung von Rückzugsbedürfnissen (Tagespflege), Wahrung der Individualität während des Aufenthaltes / Erste Einschätzung zur weiteren Versorgung nach der Kurzzeitpflege – jeweils mit der zugehörigen Leitfrage
Themenfeld 6 in den vier SIS-Varianten nach EinSTEP – gleiche Funktion, unterschiedlicher Lebensweltbezug.

Ambulant: Haushaltsführung

Die Leitfrage lautet: „Inwieweit kann die pflegebedürftige Person Aktivitäten der Haushaltsführung zu Hause selbst gestalten?“ Hierher gehören Einkaufen, Zubereiten der Mahlzeiten, Reinigen der Wohnung, Wäschepflege und die Organisation des Haushalts. Die EinSTEP-Erläuterungen für die ambulante SIS weisen darauf hin, dass in Themenfeld 6 in der Regel auch die Zusammenarbeit zwischen Pflegedienst und Familie festgehalten wird. Der Blick gilt also drei Fragen: Was übernimmt die Person selbst? Was leisten Angehörige? Wo unterstützt der Pflegedienst?

Vollstationär: Wohnen/Häuslichkeit

Die Leitfrage lautet: „Inwieweit kann die pflegebedürftige Person wichtige Aspekte, die mit der Gestaltung ihres neuen Lebensraumes zusammenhängen, artikulieren?“ Im Mittelpunkt stehen das Einleben in die Einrichtung und die Gestaltung des eigenen Zimmers mit vertrauten Gegenständen. Dazu kommen Gewohnheiten im Tagesablauf – und die Frage, was der Person ihr Zuhause-Gefühl gibt. Die EinSTEP-Unterlagen geben als Impuls ein Beispiel, das zeigt, wie konkret das sein darf: eine Bewohnerin, die ihr Radio „Toni“ nennt und sagt „Mach den Toni an“, wenn sie Musik hören möchte.

Tagespflege und Kurzzeitpflege: die beiden Sondervarianten

In der Tagespflege heißt Themenfeld 6 „Erhalt/Förderung von Alltagsfähigkeiten bzw. Sicherstellung von Rückzugsbedürfnissen“. Die Leitfrage: „Inwieweit kann die pflegebedürftige Person selbst Aktivitäten ihres Alltags benennen sowie Hinweise auf Rückzugsbedürfnisse geben?“ Dokumentiert wird, welche Beschäftigungen der Person guttun, woran sie teilnehmen möchte – und wann sie Ruhe braucht. Ein Beispiel: „Nimmt gern am Gedächtnistraining teil; zieht sich nach dem Mittagessen für eine Stunde in den Ruheraum zurück.“ Haushaltsführung und Wohnen stehen in der Tagespflege nicht im Vordergrund, weil die Person abends nach Hause zurückkehrt – die häusliche Situation kann aber als Grund für Rückzugsbedürfnisse relevant sein.

In der Kurzzeitpflege trägt Themenfeld 6 den längsten Namen aller Varianten: „Wahrung der Individualität während des Aufenthaltes / Erste Einschätzung zur weiteren Versorgung nach der Kurzzeitpflege“. Die Leitfragen: Inwieweit kann die Person Hinweise zu ihren Wünschen einer Versorgung zu Hause geben, und was bedeutet dies für den Aufenthalt? Welche Wünsche gibt es im Rahmen der Urlaubs- oder Verhinderungspflege? Der Blick richtet sich auf zwei Dinge zugleich – die Gewohnheiten, die auch im befristeten Aufenthalt gewahrt werden sollen, und die Rückkehr nach Hause. Dafür stellt EinSTEP ein eigenes Formular zur Entlassplanung bereit.

Abgrenzung: Was gehört in Themenfeld 6 – und was nicht?

Die häufigste Unsicherheit bei Themenfeld 6 ist die Grenze zu den Nachbarn 4 und 5. Ein einziger Satz aus dem Gespräch kann in drei Themenfelder gehören – und die Zuordnung entscheidet darüber, wo ein Risiko später wiedergefunden wird.

Schaubild: Abgrenzung der Themenfelder 4, 5 und 6 am Beispiel einer Mahlzeit – das Zubereiten gehört in Themenfeld 6 Haushaltsführung, das Essen selbst in Themenfeld 4 Selbstversorgung, das gemeinsame Frühstück mit der Nachbarin in Themenfeld 5 Leben in sozialen Beziehungen
Ein Satz, drei Themenfelder: Zubereiten (6), Essen (4), Gesellschaft (5). Nur die Zuordnung zu Themenfeld 4 löst die Frage nach der Matrix-Spalte „Ernährung“ aus.
Das gehört in Themenfeld 6Das gehört woandershin
Mahlzeiten zubereiten, Einkaufen, Wäsche, Wohnung in Ordnung halten (ambulant)Das Essen und Trinken selbst → Themenfeld 4 (Selbstversorgung)
Gestaltung von Wohnung, Zimmer und Alltagsroutinen; was der Person ihr Zuhause-Gefühl gibtKontakte, Beziehungen, Teilhabe, Besuche → Themenfeld 5
Stolperfallen, beengte Wohnverhältnisse, fehlende Haltegriffe als BeobachtungDie fachliche Bewertung des Sturzrisikos → Risikomatrix (Feld C2), Hinweis aus Themenfeld 2
Zusammenarbeit zwischen Pflegedienst und Angehörigen im Haushalt (ambulant)Therapien, Medikation, Behandlungspflege → Themenfeld 3

Woran Themenfeld 6 in der Praxis krankt

Der erste Fehler passiert vor dem ersten Wort: die falsche Variante. Ein ambulanter Bogen mit „Haushaltsführung“ im Pflegeheim führt zu einem Themenfeld, das niemand sinnvoll füllen kann. Der zweite Fehler ist das leere oder abgetane Feld – stationär mit „übernimmt die Einrichtung“. Gefragt ist nicht, wer putzt, sondern wie die Person ihren Lebensraum gestaltet und was ihr wichtig ist. Der dritte Fehler ist die Wiederholung: Inhalte aus Themenfeld 4 oder 5 tauchen in 6 noch einmal auf, weil die Abgrenzung unklar war.

Und schließlich der Blick nur auf Defizite. Gerade Themenfeld 6 ist das Feld der Ressourcen und Gewohnheiten: der Kaffee, den Frau Krüger sich selbst kocht, das Bett, das Herr Mertens selbst machen will. An genau diesen Dingen kann der Maßnahmenplan anknüpfen – und genau diese Dinge sind es, die der personzentrierte Ansatz des Strukturmodells meint.

Merksatz

Themenfeld 6 fragt nicht „Was kann die Person nicht mehr?“, sondern „Wie lebt die Person – und was davon soll erhalten bleiben?“

Wie Pflegeplan KI bei Themenfeld 6 unterstützt

Pflegeplan KI kennt die Systematik der Themenfelder in der ambulanten und der vollstationären Variante und ordnet diktierte Inhalte automatisch zu. „Kocht sich morgens Kaffee, die Tochter macht die Wäsche“ landet in Themenfeld 6 – „isst nur die Hälfte“ in Themenfeld 4, mit Hinweis auf die Matrix. Das hilft, Doppelungen zu vermeiden, und hält die Abgrenzung sauber. Jede Zuordnung bleibt sichtbar und wird erst nach fachlicher Freigabe übernommen. Weitere Beispielsätze für alle Themenfelder finden Sie in den SIS-Formulierungshilfen.

Häufige Fragen

Wie heißt Themenfeld 6 der SIS?
Je nach Versorgungsform unterschiedlich: „Haushaltsführung“ (ambulant), „Wohnen/Häuslichkeit“ (vollstationär), „Erhalt/Förderung von Alltagsfähigkeiten bzw. Sicherstellung von Rückzugsbedürfnissen“ (Tagespflege) und „Wahrung der Individualität während des Aufenthaltes / Erste Einschätzung zur weiteren Versorgung nach der Kurzzeitpflege“ (Kurzzeitpflege). Es ist das einzige Themenfeld, das sich zwischen den SIS-Varianten unterscheidet.
Was gehört in Themenfeld 6 in der ambulanten Pflege?
Alle Aktivitäten der Haushaltsführung: Einkaufen, Mahlzeiten zubereiten, Reinigen der Wohnung, Wäschepflege und die Organisation des Haushalts – sowie die Zusammenarbeit zwischen Pflegedienst und Familie. Der Blick gilt dem, was die Person selbst kann, was Angehörige übernehmen und wo Unterstützung nötig ist.
Was gehört in Themenfeld 6 in der stationären Pflege?
Das Einleben und Wohnen in der Einrichtung: die Gestaltung des eigenen Zimmers mit vertrauten Gegenständen, Gewohnheiten im Tagesablauf und Mithilfe-Wünsche. Kurz: alles, was der Person ihr Zuhause-Gefühl im neuen Lebensraum gibt.
Was ist der Unterschied zwischen Themenfeld 4 und Themenfeld 6?
Themenfeld 4 (Selbstversorgung) betrachtet die Versorgung des eigenen Körpers: Körperpflege, Kleiden, Essen und Trinken, Ausscheidung. Themenfeld 6 betrachtet die Gestaltung der Lebensumgebung – ambulant den Haushalt, stationär das Wohnen. Das Zubereiten einer Mahlzeit gehört in Themenfeld 6, das Essen selbst in Themenfeld 4.
Gibt es Themenfeld 6 auch in der Tagespflege?
Ja, mit eigenem Zuschnitt: „Erhalt/Förderung von Alltagsfähigkeiten bzw. Sicherstellung von Rückzugsbedürfnissen“. Dokumentiert wird, welche Alltagsaktivitäten die Person benennt und wahrnehmen möchte und wann sie Rückzug braucht. Haushaltsführung und Wohnen stehen in der Tagespflege-SIS nicht im Vordergrund.
Was fragt Themenfeld 6 in der Kurzzeitpflege?
Zwei Dinge: Welche Gewohnheiten und Wünsche sollen während des befristeten Aufenthalts gewahrt bleiben – und wie sieht die Person ihre weitere Versorgung zu Hause? Dazu stellt EinSTEP für die Kurzzeitpflege ein eigenes Formular zur Entlassplanung bereit.

Quellen und weiterführende Dokumente

  • Projektbüro EinSTEP: Informations- und Schulungsunterlagen zum Strukturmodell, Version 3.1 (Februar 2026) – ein-step.de/schulungsunterlagen
  • Projektbüro EinSTEP: Anlage 1a/1b – Funktion der SIS® und Matrix, ambulant und stationär (Version 3.0, 2025)
  • Projektbüro EinSTEP: SIS®-Bögen ambulant, vollstationär, Tagespflege und Kurzzeitpflege (kostenloser Download) – ein-step.de