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KI in der Pflege · Praxis

SIS mit KI schreiben: So funktioniert die KI-gestützte Informationssammlung

Drei Minuten Diktat im Auto statt vierzig Minuten am Dienstrechner: Wie aus einer frei erzählten Situation ein strukturierter SIS-Entwurf wird, was die KI dabei darf – und was nicht.

Fachredaktion Pflegeplan KIAktualisiert am 04.09.2026 8 Min. Lesezeit

SIS mit KI schreiben bedeutet: Die Pflegefachkraft erfasst die pflegerelevanten Informationen in eigenen Worten – meist per Spracheingabe –, und die KI erstellt daraus einen strukturierten Entwurf der Strukturierten Informationssammlung über alle sechs Themenfelder, samt Vorschlag für die Risikomatrix und für Maßnahmen. Die KI liefert einen Vorschlag; prüfen, anpassen und fachlich freigeben muss ihn immer die Pflegefachkraft. Diese Grenze ziehen inzwischen auch die EinSTEP-Schulungsunterlagen 3.1.

Was „SIS mit KI schreiben“ genau heißt – und was nicht

Die KI ersetzt nicht das pflegefachliche Denken, sondern nimmt die Fleißarbeit ab: strukturieren, formulieren, einsortieren. Das Gespräch mit Frau Krüger hat Sabine Lorenz geführt, die Beobachtungen hat sie gemacht, die Einschätzung trifft sie. Was die KI übernimmt, ist der Weg von der freien Schilderung zur Systematik des Bogens – die Arbeit, die bisher am Schichtende lag.

Bereits bei diesen Erfassungsprozessen muss die Entscheidung über die endgültige Übernahme einer Information in das Dokumentationssystem jedoch immer der fachlichen Beurteilung durch die Pflegenden vorbehalten bleiben.
— EinSTEP-Schulungsunterlagen 3.1 (Februar 2026), Abschnitt zu Digitalisierung und KI

Dass die Schulungsunterlagen des Projektbüros inzwischen ein eigenes Kapitel zu KI enthalten, sagt einiges über den Stand der Diskussion. Spracherkennung, mehrsprachige Eingabe, das Extrahieren strukturierter Angaben aus Freitext – all das wird dort als Erleichterung für die Dokumentation mit dem Strukturmodell beschrieben. Mit einer klaren Leitplanke: Die Technik ist ein Werkzeug zur Stärkung der Fachlichkeit, nicht ihr Ersatz.

So funktioniert die KI-gestützte SIS Schritt für Schritt

Schaubild: SIS mit KI schreiben – die Pflegefachkraft erfasst per Diktat, die KI strukturiert nach den sechs Themenfeldern und schlägt Risikoeinschätzung und Maßnahmen vor, die Pflegefachkraft prüft und gibt frei (Human-in-the-Loop)
KI-gestützte SIS-Erstellung: Die KI übernimmt Struktur- und Formulierungsarbeit – Entscheidung und Freigabe bleiben bei der Pflegefachkraft.
  1. 1

    Erfassen

    Die Fachkraft diktiert oder notiert die Situation in eigenen Worten – inklusive der wörtlichen Aussagen der Person für Feld B.

  2. 2

    Strukturieren

    Die KI ordnet die Angaben den sechs Themenfeldern zu, trennt Ressourcen von Unterstützungsbedarf und markiert Hinweise auf Risiken.

  3. 3

    Vorschlagen

    Aus den Risikohinweisen entsteht ein Vorschlag für die Matrix – je Risiko mit Begründung aus dem Themenfeld – und für konkrete Maßnahmen.

  4. 4

    Prüfen und freigeben

    Die Fachkraft kontrolliert jede Zuordnung, ergänzt fehlende Beobachtungen, streicht Unpassendes und gibt die SIS fachlich frei.

Vom Diktat zum Themenfeld – ein Beispiel

Wie sieht die Strukturierungsarbeit konkret aus? Drei Sätze aus dem Diktat von Sabine Lorenz und das, was die KI daraus macht – und was die Fachkraft anschließend prüft.

Aus dem DiktatEntwurf der KIWas die Fachkraft prüft
„Sie sagt, sie will morgens in Ruhe frühstücken und so lange wie möglich allein zur Toilette. Vor der Treppe hat sie Angst.“Feld B: „Ich will morgens in Ruhe frühstücken und so lange wie möglich allein zur Toilette gehen. Vor der Treppe habe ich Angst.“Ist das wirklich der O-Ton – oder hat die KI geglättet? Fehlt der Satz zum Trinken nachts?
„In der Wohnung geht sie mit Rollator sicher, nachts hält sie sich an Möbeln fest.“Themenfeld 2: Geht in der Wohnung mit Rollator sicher; nachts Weg zur Toilette ohne Rollator, hält sich an Möbeln fest. → Hinweis Matrix: SturzStimmt die Zuordnung? Gehört „Treppe nur mit Begleitung“ ergänzt?
„Nachts trinkt sie nichts, damit sie nicht raus muss – tagsüber schätze ich unter einem Liter.“Themenfeld 4: Trinkt nach eigener Angabe unter 1 l täglich, abends bewusst wenig. → Hinweis Matrix: Ernährung/Flüssigkeit, weitere Einschätzung erwägen„Schätze“ ist eine Vermutung – Trinkprotokoll als befristete Beobachtung ansetzen, nicht als Fakt dokumentieren.
Die KI sortiert und formuliert; die Fachkraft entscheidet, was stimmt, was fehlt und was noch beobachtet werden muss.

Merksatz

Die Qualität des Entwurfs folgt der Qualität der Erfassung. Wer konkret erzählt – was die Person tut, sagt, kann –, bekommt konkrete Themenfelder. Wer „ist verwirrt und unkooperativ“ diktiert, bekommt genau das zurück.

Was die KI kann – und was sie nicht darf

Das übernimmt die KI in der RegelDas darf und kann sie nicht
Freie Schilderungen in die sechs Themenfelder sortierenDie fachliche Einschätzung und Freigabe der Pflegefachkraft ersetzen
Aus Stichpunkten fähigkeitsorientierte, stichpunktartige Formulierungen erzeugenMedizinische Diagnosen stellen – die SIS bleibt pflegefachlich
Risikohinweise bündeln und die Begründung für die Matrix vorschlagenFehlende Informationen erfinden – was nicht erfasst wurde, darf nicht ergänzt werden
Den roten Faden von der Information über das Risiko bis zur Maßnahme vorschlagenIndividualität ersetzen – Standardfloskeln führen zu Beanstandungen, egal wer sie schreibt
Tipp- und Sortierzeit sparenEntscheiden, ob eine vertiefte Einschätzung nötig ist

Die Themenfelder, in die die KI sortiert, sind die des Strukturmodells: kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Mobilität und Beweglichkeit, krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen, Selbstversorgung, Leben in sozialen Beziehungen sowie Themenfeld 6 – ambulant „Haushaltsführung“, vollstationär „Wohnen/Häuslichkeit“, mit eigenen Varianten für Tagespflege und Kurzzeitpflege. Ein gut konfiguriertes System kennt die Variante der Versorgungsform, für die es eingerichtet ist, und lässt weg, was pflegerisch nicht relevant ist. Die Grundlagen erklärt der Beitrag zu den sechs Themenfeldern.

Prüfsicher bleiben: Der Maßstab ändert sich nicht

Eine mit KI erstellte SIS ist genauso prüfsicher wie eine von Hand geschriebene – vorausgesetzt, die Fachkraft prüft sie. Der Medizinische Dienst bewertet die Versorgung der Person und zieht die Dokumentation zur Plausibilisierung heran. Der Maßstab bleibt der rote Faden: Jedes Risiko, das in einem Themenfeld anklingt, muss in der Matrix begründet und im Maßnahmenplan aufgegriffen sein. Ein KI-Entwurf, der diese Kette vorschlägt und Brüche markiert, hilft dabei. Ein ungeprüfter Entwurf mit generischen Formulierungen schadet – genau wie ein Textbaustein aus der Schublade. Worauf die Prüfer im Detail achten, lesen Sie im Beitrag zur MD-Prüfung.

Datenschutz: Gesundheitsdaten sind besonders geschützt

Beim SIS-Schreiben mit KI werden Gesundheitsdaten verarbeitet – nach Artikel 9 DSGVO eine besonders geschützte Kategorie. Drei Dinge sollte eine Einrichtung deshalb vor dem Einsatz klären. Erstens: Wo werden die Daten verarbeitet? Eine Verarbeitung innerhalb der EU vermeidet die Unsicherheiten des Drittlandtransfers. Zweitens: Gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO mit dem Anbieter, und ist klar, welche Subunternehmer – etwa KI-Modellanbieter – eingebunden sind? Drittens: Werden die Daten pseudonymisiert, bevor sie ein Sprachmodell erreichen, sodass dort aus „Frau Krüger“ ein Platzhalter wird? Eine KI-Funktion, die diese Fragen nicht beantworten kann, gehört nicht in die Pflegedokumentation.

Wie Pflegeplan KI die SIS-Erstellung unterstützt

Pflegeplan KI führt strukturiert durch alle sechs Themenfelder – in der ambulanten oder vollstationären Variante. Sie diktieren den Pflegekontext frei; die KI erstellt daraus einen SIS-konformen Entwurf samt Risikoeinschätzung und Maßnahmenvorschlägen. Übernommen wird nur, was Sie fachlich freigeben. Die Verarbeitung erfolgt in der EU, Klarnamen werden vor der Übergabe an das Sprachmodell pseudonymisiert, und KI-generierte Inhalte sind als solche gekennzeichnet. Wie sich das in den Tages- und Tourenablauf einfügt, zeigt der Beitrag KI-Pflegedokumentation im Arbeitsalltag.

Häufige Fragen

Kann KI eine SIS komplett automatisch schreiben?
Nein. Die KI erstellt aus den Angaben der Fachkraft einen strukturierten Entwurf, den die Pflegefachkraft prüfen, anpassen und freigeben muss. Die EinSTEP-Schulungsunterlagen 3.1 legen fest, dass die Entscheidung über die Übernahme einer Information in die Dokumentation immer der fachlichen Beurteilung der Pflegenden vorbehalten bleibt.
Ist eine mit KI geschriebene SIS MD-prüfsicher?
Ja, wenn die Fachkraft die Vorschläge individuell prüft und der rote Faden von der Information über das Risiko bis zur Maßnahme erkennbar bleibt. Prüfkritisch sind nicht KI-Vorschläge an sich, sondern ungeprüfte Standardfloskeln und Brüche zwischen SIS, Matrix und Maßnahmenplan – unabhängig davon, wer sie verursacht.
Wer trägt die fachliche Verantwortung für eine KI-gestützte SIS?
Immer die Pflegefachkraft. Die Erhebung des Pflegebedarfs und die Steuerung des Pflegeprozesses sind nach § 4 Pflegeberufegesetz vorbehaltene Tätigkeiten. Die KI ist ein Hilfsmittel; Einschätzung, Korrektur und Freigabe bleiben bei der Fachkraft.
Was ist beim Datenschutz zu beachten, wenn KI Gesundheitsdaten verarbeitet?
Gesundheitsdaten sind nach Artikel 9 DSGVO besonders geschützt. Wichtig sind eine Verarbeitung innerhalb der EU, ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO mit Transparenz über eingebundene KI-Anbieter und eine Pseudonymisierung, damit keine Klarnamen an externe Sprachmodelle gelangen.
Spart das Schreiben der SIS mit KI wirklich Zeit?
Vor allem beim Strukturieren und Formulieren – also bei der Tipp- und Sortierarbeit, die bisher oft am Schichtende aus dem Gedächtnis erledigt wurde. Das Gespräch, die Beobachtung und die fachliche Einschätzung bleiben Aufgabe der Fachkraft und dauern so lange wie zuvor.
Was passiert, wenn ich der KI zu wenig Informationen gebe?
Dann bleibt der Entwurf lückenhaft – und das ist richtig so. Eine seriöse KI-Funktion erfindet keine Beobachtungen, die nicht erfasst wurden. Fehlende Themenfelder oder offene Punkte werden markiert, damit die Fachkraft sie im nächsten Gespräch klärt oder als befristete Beobachtung ansetzt.

Quellen und weiterführende Dokumente

  • Projektbüro EinSTEP: Informations- und Schulungsunterlagen zum Strukturmodell, Version 3.1 (Februar 2026) – ein-step.de/schulungsunterlagen
  • Medizinischer Dienst Bund: Fragen und Antworten zum neuen Qualitätsprüfungs- und Prüfsystem für Pflegeheime seit Oktober 2019
  • Medizinischer Dienst Bund: Qualitätsprüfungs-Richtlinien für ambulante Pflegedienste (QPR ambulant), in Kraft seit 1. Juli 2026
  • § 4 Pflegeberufegesetz (PflBG) – Vorbehaltene Tätigkeiten: Erhebung und Feststellung des Pflegebedarfs, Organisation, Gestaltung und Steuerung des Pflegeprozesses