Zurück zu Wissen & Ratgeber

Vorlagen · Maßnahmenplanung

Maßnahmenplan-Vorlage für die Pflege: Aufbau, Muster und Beispiele

Wer nach einer Maßnahmenplan-Vorlage sucht, findet vieles – nur kein amtliches Formular. Was das Projektbüro EinSTEP tatsächlich vorgibt, wie eine tragfähige Vorlage aufgebaut ist und warum die Struktur wiederverwendet werden darf, der Inhalt aber nie.

Fachredaktion Pflegeplan KIAktualisiert am 04.09.2026 8 Min. Lesezeit

Eine bundesweit vorgeschriebene Vorlage für den Maßnahmenplan gibt es im Strukturmodell nicht. Verbindlich sind die Grundsätze, nicht das Formular. Bewährt hat sich eine tabellarische Gliederung: vollstationär chronologisch entlang der Tagesstruktur über 24 Stunden, ambulant entlang der vereinbarten Leistungen und Einsätze. Eine gute Vorlage bietet Platz für eine Grundbotschaft, weist je Maßnahme die Herkunft aus SIS oder Risikomatrix aus und sieht ein Evaluationsdatum für befristete Maßnahmen vor. Stichpunkte reichen – ganze Sätze sind nicht erforderlich.

Gibt es eine offizielle Maßnahmenplan-Vorlage?

Nein – und das ist Absicht. Das Strukturmodell lässt den Einrichtungen bei der Gestaltung des Maßnahmenplans bewusst Spielraum, um interne Entscheidungsprozesse und die Anpassung an Konzepte und Zielgruppen zu fördern. Was das Projektbüro EinSTEP kostenlos auf ein-step.de bereitstellt, sind die offiziellen SIS-Bögen in allen vier Varianten sowie – seit Dezember 2024 – eine eigene Handreichung zum Maßnahmenplan als separaten Download. Sie beschreibt keine Vorlage, sondern Grundsätze und häufige Fragen aus der Praxis.

Diese Grundsätze sind die eigentliche Vorlage: Der Plan leitet sich aus den Erkenntnissen der SIS ab – Feld B, Themenfelder, Matrix. Geplant wird nur, was tatsächlich Unterstützungsbedarf ist. Für Routinehandlungen darf auf interne Verfahrensanweisungen verwiesen werden; im Plan steht dann nur, wie im Einzelfall davon abgewichen wird. Und der Plan ist kurz und knapp entlang der Tagesstruktur gegliedert, mit den wesentlichen Informationen zu Pflege, Betreuung, Risikomanagement und Behandlungspflege.

Zu kleinschrittige oder ausufernde Formulierungen (die beispielsweise das normale Procedere von Pflegehandlungen beschreiben) sind hierbei hinderliche Faktoren. Auf bestehende Verfahrensanleitungen kann verwiesen werden und bei Bedarf ist die davon abweichende individuelle Ausprägung im Vorgehen knapp zu dokumentieren.
Medizinischer Dienst, Hinweise zur Umsetzung des Strukturmodells (2019)

Der Aufbau: Diese Elemente gehören in die Vorlage

Muster-Ausschnitt eines Maßnahmenplans nach dem Strukturmodell: vorangestellte Grundbotschaft, darunter eine Tabelle entlang der Tagesstruktur (morgens, mittags, abends, nachts) mit stichpunktartigen Maßnahmen und einer Spalte für die Herkunft aus Themenfeld, Matrix oder Wunsch der Person
Muster-Aufbau eines Maßnahmenplans (vollstationär): Grundbotschaft, Tagesstruktur, Maßnahme und Herkunft – die Inhalte entstehen immer individuell.
ElementWarum es hineingehörtSo sieht es aus
Grundbotschaft (optional, empfohlen)Sagt allen Beteiligten in ein, zwei Sätzen, was für die Person wesentlich ist. Das EinSTEP-Expertengremium empfiehlt sie umso mehr, je stärker jemand kognitiv eingeschränkt ist. Sie enthält keine Pflegehinweise.„Ehemaliger Tischler, möchte Dinge selbst in die Hand nehmen. Hilfe anbieten, nicht übernehmen.“
Gliederung nach VersorgungsformStationär und Kurzzeitpflege: Tagesstruktur über 24 Stunden mit festen Zeiten oder Zeitkorridoren. Ambulant: Ablauf der Einsätze, ggf. gekoppelt an die Tourenplanung. Tagespflege: Anwesenheitszeit.Zeilen „morgens · vormittags · mittags · nachmittags · abends · nachts“
Maßnahme, stichpunktartigWer handelt, was genau, wie – inklusive dessen, was die Person selbst übernimmt. Ganze Sätze sind nicht nötig.„Begleitung zur Toilette anbieten, Nachtlicht an, Rollator rechts am Bett“
HerkunftDer Bezug zum Themenfeld, zum Matrix-Risiko oder zum Wunsch der Person hält den roten Faden für Team und Prüfung sichtbar.„TF 2 / Matrix Sturz“ oder „Wunsch Feld B“
Evaluationsdatum bei befristeten MaßnahmenTrinkprotokoll, Beobachtung, Wundmanagement brauchen ein Datum. Ein fehlendes Datum nennen die EinSTEP-Unterlagen ausdrücklich als typischen Fehler.„Trinkprotokoll bis 12.09.“
Behandlungspflege mit Bezug zur AnordnungÄrztlich angeordnete Maßnahmen erscheinen als pflegerische Handlung mit Verweis auf die Anordnung – ohne pflegerische und ärztliche Logik zu vermischen.„Kompressionsstrümpfe anziehen (ärztl. Anordnung vom 03.08.)“

Was in der Tabelle fehlt, fällt auf: keine Spalte „Problem“, keine Spalte „Ressource“, keine Spalte „Pflegeziel“. Probleme und Ressourcen stehen in der SIS; kleinteilige Ziele nennen die Schulungsunterlagen als hinderlichen Faktor. Petra Hahns sieben Spalten schrumpfen auf vier: Zeit, Maßnahme, Herkunft, Evaluationsdatum.

Muster-Formulierungen: So klingen gute Maßnahmen

Die EinSTEP-Schulungsunterlagen zeigen selbst, wie stichpunktartige Maßnahmen aussehen. Drei Original-Beispiele daraus:

  • „Getränke in Becher mit Trinkhilfe bereitstellen, mag am liebsten immer Apfelsaftschorle, Nahrung komplett anreichen.“
  • „Ganzkörperwäsche im Bett übernehmen, Waschlappen über Hand stülpen und zum Gesicht führen, wäscht sich dann selbst das Gesicht, restliche Körperpflege übernehmen, wünscht kein Eincremen der Haut.“
  • „Hand reichen zum Aufstehen aus dem Bett, sicherheitsgebende Begleitung auf allen Wegen, außer Haus mit Rollstuhl schieben.“

Alle drei verbinden konkrete Handlung, Vorlieben der Person und erhaltene Ressourcen – in wenigen Stichpunkten. Diese Dichte macht einen Maßnahmenplan handlungsleitend, ohne ihn aufzublähen. Wie Sie selbst zu solchen Formulierungen kommen, zeigt der Beitrag Maßnahmenplan schreiben mit den fünf W-Fragen.

Struktur wiederverwenden, Inhalt nie

Die Vorlage – Spalten, Gliederung, Platz für die Grundbotschaft – dürfen und sollen Sie für jede Person nutzen. Die Inhalte nicht. Die EinSTEP-Unterlagen nennen die „Verwendung von Textbausteinen (sog. Formulierungshilfen) anstelle individueller Darstellung“ ausdrücklich als typischen Fehler im Maßnahmenplan. Und der Medizinische Dienst, der seit 2019 stationär und seit Juli 2026 ambulant vor allem die Versorgung der Person prüft, stößt im Fachgespräch schnell auf einen Plan, der bei drei Bewohnern wortgleich ist – er kann dann nicht individuell sein.

Aus der Vorlage kopiert

Nachts: Sturzprophylaxe nach Standard. Dekubitusprophylaxe nach Standard. Auf ausreichende Flüssigkeit achten.

Aus der SIS abgeleitet

Nachts: Begleitung zur Toilette anbieten, Nachtlicht an, Rollator rechts am Bett (TF 2 / Matrix Sturz). Glas Wasser ans Bett, trinkt abends nur, wenn der Weg sicher ist (Feld B).

Links stehen drei Prophylaxen, von denen eine (Dekubitus) in der Matrix gar nicht mit „ja“ steht. Rechts hat jede Zeile eine Herkunft – und greift den Wunsch der Person auf.

Word, PDF oder Pflegesoftware?

Die offiziellen SIS-Bögen von ein-step.de sind elektronisch ausfüllbare PDF-Dateien. Für den Maßnahmenplan kursieren daneben Word-Vorlagen von Drittanbietern. Prüfen Sie diese kritisch: Viele stammen aus der Einführungszeit, tragen Problem- und Zielspalten oder nutzen veraltete Bezeichnungen. Wichtiger als das Dateiformat ist, was der Medizinische Dienst in seinen Hinweisen festhält: Die SIS ist kein Formular, das sich beliebig in ein anderes System einfügen lässt. Das Strukturmodell wirkt als Gesamtsystem aus SIS, Maßnahmenplan, Berichteblatt und Evaluation.

In der Praxis spricht deshalb viel für eine Pflegesoftware, die diese vier Elemente verbindet: Wenn das Berichteblatt eine Zustandsänderung zeigt, wird der Plan angepasst und die Änderung bleibt als Version nachvollziehbar. Die SIS selbst muss dabei nicht bei jeder Planänderung neu erstellt werden – der Medizinische Dienst hält das ausdrücklich für fachlich nicht notwendig. Sie wird fortgeschrieben, wenn sich die Situation wesentlich verändert.

Typische Fehler in der Vorlage

Die Handreichung zum Maßnahmenplan und die Schulungsunterlagen 3.1 benennen die Fehler, die dem Projektbüro in Vorlagen und Plänen am häufigsten begegnen. Sie lassen sich fast alle auf zwei Muster zurückführen: zu viel des Allgemeinen und zu viel des Selbstverständlichen.

FehlerBeispielWarum er stört
Übergeordnete Begriffe statt konkreter Maßnahmen„Dekubitusprophylaxe“Sagt nicht, wer was wann tut.
Selbstverständlichkeiten dokumentieren„sorgfältiges Abtrocknen“, „Klingel in Reichweite“, „Wasser ins Waschbecken einfüllen“Bläht den Plan auf, ohne zu leiten.
Schematische Prophylaxen für allePneumonie-, Thrombose-, Kontrakturprophylaxe bei jeder PersonIndividuelle Begründung aus der Matrix fehlt.
Kleinteilige Ziele verschriftlichen„Bewohnerin trinkt bis 30.09. 1,5 l täglich“ als ZielspalteDas Strukturmodell verzichtet bewusst darauf; die Absicht ergibt sich aus SIS und Begründung.
Fehlendes EvaluationsdatumTrinkprotokoll ohne EnddatumBefristete Maßnahmen laufen sonst endlos weiter.
Doppelt dokumentiertHilfsmittel in drei Dokumenten aufgezählt; Verfahrensanweisung erneut ausformuliertDoppelt dokumentiert ist doppelt zu pflegen.
Vorlage samt Inhalt kopiertWortgleiche Pläne bei mehreren PersonenKann nicht individuell sein – fällt im Fachgespräch auf.

Wie Pflegeplan KI beim Maßnahmenplan unterstützt

Pflegeplan KI macht die Vorlage-Frage im Alltag überflüssig. Aus SIS und Risikoeinschätzung entstehen strukturierte Maßnahmenvorschläge – gegliedert, stichpunktartig, mit sichtbarem Bezug zur Herkunft (Themenfeld, Matrix, Wunsch der Person). Die Pflegefachkraft prüft, passt an und gibt frei. Bei Änderungen bleibt jede Version nachvollziehbar. So entsteht die Individualität, die keine Kopiervorlage leisten kann – mit deutlich weniger Schreibzeit.

Häufige Fragen

Gibt es eine offizielle Maßnahmenplan-Vorlage von EinSTEP?
Ein verbindliches Formular gibt es nicht. Das Projektbüro EinSTEP stellt die offiziellen SIS-Bögen und seit Dezember 2024 eine Handreichung zum Maßnahmenplan kostenlos auf ein-step.de bereit. Die konkrete Form des Plans richtet sich nach Einrichtung und Software – verbindlich sind die Grundsätze des Strukturmodells.
Wie ist ein Maßnahmenplan aufgebaut?
Vollstationär und in der Kurzzeitpflege chronologisch entlang der Tagesstruktur (24 Stunden), ambulant entlang der vereinbarten Leistungen und Einsätze, in der Tagespflege entlang der Anwesenheitszeit. Optional wird eine Grundbotschaft vorangestellt. Je Maßnahme stehen stichpunktartig Wer, Was und Wie – dazu die Herkunft aus SIS oder Matrix und bei befristeten Maßnahmen ein Evaluationsdatum.
Was ist die Grundbotschaft im Maßnahmenplan?
Eine knappe, wertneutrale Zusammenfassung wichtiger Eigenschaften und Wünsche der Person, die dem Maßnahmenplan vorangestellt werden kann – möglichst im Team formuliert. Sie ist optional; das EinSTEP-Expertengremium empfiehlt sie aber ausdrücklich, und zwar umso mehr, je stärker die kognitiven Einschränkungen sind. Sie enthält keine Hinweise zur direkten Pflege.
Muss ich im Maßnahmenplan Ziele formulieren?
Nein. Das Strukturmodell verzichtet bewusst auf verpflichtende Zielformulierungen. Die EinSTEP-Unterlagen nennen die Verschriftlichung kleinteiliger Ziele sogar als hinderlichen Faktor. Die pflegerische Absicht ergibt sich aus der SIS und der Begründung der Maßnahme.
Muss ich die SIS neu schreiben, wenn ich den Maßnahmenplan ändere?
Nein. Der Medizinische Dienst hält es in seinen Hinweisen zum Strukturmodell ausdrücklich für fachlich nicht notwendig, bei jeder Änderung des Maßnahmenplans die SIS zu erneuern. Die SIS wird fortgeschrieben, wenn sich die Situation der Person wesentlich verändert; wann das der Fall ist, sollte im QM-Handbuch geregelt sein.
Wo finde ich kostenlose SIS-Vorlagen zum Ausfüllen?
Auf ein-step.de stehen die offiziellen SIS-Bögen kostenlos zum Download bereit – in allen vier Varianten (ambulant, vollstationär, Tagespflege, Kurzzeitpflege), jeweils in DIN A4 und DIN A3, elektronisch ausfüllbar oder zum Ausdrucken.

Quellen und weiterführende Dokumente

  • Projektbüro EinSTEP: Informations- und Schulungsunterlagen zum Strukturmodell, Version 3.1 (Februar 2026) – ein-step.de/schulungsunterlagen
  • Projektbüro EinSTEP: Handreichung zum Maßnahmenplan in der Pflegedokumentation nach dem Konzept des Strukturmodells (Stand Dezember 2024)
  • Projektbüro EinSTEP: SIS®-Bögen ambulant, vollstationär, Tagespflege und Kurzzeitpflege (kostenloser Download) – ein-step.de
  • Medizinischer Dienst (MDS): Hinweise zur Umsetzung des Strukturmodells zur Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation im Kontext von Qualitätsprüfungen (November 2019)